Retter aus ganz Europa testen Erdbeben-Hilfe in Wettringen
am 18.05.2008 14:24 Uhr
WETTRINGEN :
Für vier Tage wurde das Gelände des Betonwerks zwischen Wettringen und Bilk zu einer Erdbebenregion. 120 Helfer der Internationalen Rettungshundeorganisation (IRO) probten hier für den Ernstfall.
Sie übten unter nahezu realen Bedingungen die Rettung verschütteter Menschen. Aus weiten teilen Europas reisten die Helfer an. Ausgerichtet wurde das Training von der Hilfsorganisation „@Fire“.
Was sich dahinter verbirgt
Die IRO (International Rescue Dogs Organization) ist ein internationaler Dachverband für nichtstaatliche Hilfsorganisationen. Die Bezeichnung wird ihr allerdings nicht ganz gerecht, da ihr auch Organisationen angehören, die nicht mit Rettungshunden arbeiten. Freiwillige Feuerwehren, die Organisation „@Fire“ und der Bundesverband Rettungshunde sind nur einige dieser ehrenamtlichen Gruppen.
Jährlich werden mehrere größere und kleinere Trainings durchgeführt. Eines der größeren Sorte richtete in Wettringen „@Fire“ aus. 120 Helfer mit oder ohne Hunde kamen dafür aus Slowenien, der Slowakei, Tschechien, Frankreich, Österreich und Ungarn ins Münsterland.
Einsatz beim Tsunami
@Fire gibt es seit gut fünf Jahren. Geschäftsführer Nico Neumann ist Mitbegründer und hat schon einige Auslandseinsätze hinter sich.
„Wir sind beispielsweise schon in den USA, in Pakistan und Thailand gewesen“, sagt Neumann, der studierter Betriebswirt und Jurist ist, und derzeit ein Studium in Katastrophenvorsorge und -management in Bonn hinterherschiebt. Das Helfen ist tief verwurzelt in ihm. Der größte Einsatz bisher war beim verheerenden Tsunami, als @Fire nach Thailand ausrückte. „Da gab es nicht viel zu retten“, blickt er zurück.
Was ist mit China und Birma?
Wie sähe es mit Hilfe für China oder Birma aus? „Wenn die Hilfe gewünscht ist, könnten wir innerhalb von sechs Stunden ausrücken. Bisher gab es aber noch keine Anfrage“, so Neumann. Allerdings: Mittlerweile wäre es in den meisten Fällen zu spät für eine Rettung: „Hoffnung hat man normalerweise nur die ersten drei Tage.“
Warum in Wettringen?
Dass eine weltumspannende Hilfsorganisation diese wichtigen Übungen in Wettringen durchführt, ist bemerkenswert. Doch wie kam es dazu? Nico Neumann (Foto) von @Fire klärt auf: „Zwei unserer Kameraden kommen aus Wettringen.“ Damit taten sich einige Verbindungen zum Besitzer des Betonwerkes auf. Der stellte @Fire gleich einen Teil des Geländes als permanenten Übungsplatz zur Verfügung. „Wir sind also nicht zum ersten Mal hier“, sagt Neumann. Allerdings ist es das erste Mal, dass @Fire als deutsche, nichtstaatliche Organisation dieses internationale Training ausrichtet. „Dieses Gelände ist einfach der perfekte Ort, um ein solches Szenario wirklichkeitsnah zu üben“, sagt Nico Neumann.
Ideale Bedingungen
Sieht man sich auf dem Areal um, möchte man Neumann auch als Laie schnell Recht geben: Hier stehen ausrangierte Stahlgiganten, dort türmen sich meterhoch Betontrümmer in komplexen Verwindungen und stellen für die Retter große Herausforderungen dar, die sich gut mit realen Szenarios vergleichen lassen – doch es gibt Ausnahmen: „In vielen Regionen der Welt wird statt Beton Lehm verbaut. Das ist eine ganz andere Herausforderung“, weiß Nico Neumann.
@Fire ist als ehrenamtliche Organisation auf Spenden angewiesen: Konto: 7010911, Bankleitzahl 24050110, Sparkasse
Quelle : Münsterische Zeitung